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Unverpackt die Welt retten



Klimaschutz beginnt beim Einkauf. Immer mehr Menschen realisieren, dass ihr Konsumverhalten nicht bei dem Bioprädikat aufhören darf. Helen Neuwirth bringt die Idee unverpackter Lebensmittel nun auch nach Nordhessen.
 
Kaffeebohnen lagern in Vorratsgläsern im Regal, an der Wand direkt neben dem großen Schaufenster stehen Linsen, Haferflocken und Reis in großen Spendern bereit, um in mitgebrachte Behältnisse umgefüllt zu werden. Seit dem 19. August ist die „Butterblume“ offiziell eröffnet. Vor eineinhalb Jahren entwickelte Helen Neuwirth den Gedanken vom eigenen Unverpacktladen. „Es hat alles angefangen als ich von zuhause ausgezogen bin und ich meine eigenen Konsumentscheidungen überdacht habe. Ich wollte vor allem Bioprodukte kaufen und plötzlich fiel mir auf, dass insbesondere diese in Plastikhüllen verpackt sind.“ Viele Konsumenten die auf Erzeugnisse aus biologischer Produktion zurückgreifen möchten verärgert, dass Biogemüse und -obst einzig aus Unterscheidungszwecken von konventionellen Produkten in Plastik gehüllt wird. So wird der Wunsch nachhaltig zu handeln durch den Kauf wieder zunichte gemacht. Helen Neuwirths regelmäßige Beobachtungen während ihres eigenen Supermarkteinkaufs ließen das Anliegen in ihr wachsen eine Alternative anbieten zu können. Die 22-jährige sammelte online via Crowdfunding Spenden um den ehemaligen Bioladen „Butterblume“ in Kassels Südstadt wieder auferstehen zu lassen und fast sämtliche Produkte ohne Verpackung anbieten zu können.



Plastikmüll lässt sich reduzieren

Jeder Deutsche produziert jährlich knapp 600 Kilogramm Haushaltsmüll. Ein Vertrag der Europäischen Union mit dem Handel sieht deshalb vor, den Verbrauch von Plastiktüten pro Kopf auf knapp 40 Tüten bis zum Jahr 2025 zu reduzieren. Dies haben inzwischen die meisten Kunden mitbekommen. Selbst in Discountern gibt es seit neustem keine Einwegplastiktüten mehr zu kaufen. Doch machen diese nur einen geringen Anteil des eigentlichen Verpackungsmülls aus, den wir inzwischen so gewöhnt sind, dass er der Mehrheit der Deutschen überhaupt nicht mehr auffällt. Ob Nudeln, die Brötchen aus der Backwarenabteilung, Käse, Mineralwasser, Äpfel oder Brokkoli sie alle haben in der Regel eines gemein: Sie sind bereits verpackt oder werden vom Konsumenten, um der Praktikabilität willen, rasch in dünne transparente Tütchen verstaut, welche sie kurz nach dem Einkauf schon wieder entsorgen.

„Es ist schade, dass es die typischen Tante Emma Läden, wie sie noch vor 30 bis 50 Jahren Gang und Gäbe waren, nicht mehr gibt. Die Menschen kamen mit ihrer Kanne vorbei und haben sie mit Milch füllen lassen. Für mich hat dieses Konzept große Vorteile; ich kann für mich selbst entscheiden, wie viel ich kaufe und erkenne besser wie viel ich tatsächlich auch verbrauche. Klar, der Kilopreis ist höher aber ich bin nicht auf die XXL-Verpackungen der Discounter angewiesen, die Hälfte von meinem Gekauften landet nicht im Müll und das ist doch wesentlich besser für die Umwelt und letztlich auch für mich selbst.“ Helen Neuwirth bietet in der „Butterblume“ Produkte des täglichen Bedarfs an die Bio, Fair, Unverpackt und zum allergrößten Teil Regional und Saisonal sind. „So kann man jedes Produkt, das man bei uns kaufen kann auch mit gutem Gewissen kaufen!“



Vielversprechende Resonanz

Schon während der Renovierungsphase tauchten immer wieder interessierte Passanten auf, die sich gespannt umsahen und nachfragten, wann der Laden eröffnen würde und auch ihr Finanzierungsziel während der Crowdfundingaktion wurde übertroffen. Zusätzlich zu den von Neuwirth als Minimum anvisierten 25.000€ spendeten die 355 Unterstützer des Projektes knapp 8.200€ mehr. Die Menschen interessieren sich für Neuwirths „Butterblume“. „Natürlich sind Karin Hesse, die die Butterblume mit mir betreibt, wie auch ich nervös und hoffen, dass sich der Laden nach der Eröffnung in der Südstadt etablieren kann, aber wir haben einen großen Vorteil gegenüber den bekannten Ketten: Wir können unseren Kunden Fotos zeigen, wo ihre Produkte herkommen und ihnen sagen: Ihr könnt dort vorbei gehen und schauen wie die Tiere dort leben, wie das Obst und Gemüse angebaut und vom Landwirt geerntet wird! Das kann selbst eine große Bioladenkette nicht bieten. Wir können so eine viel bessere Qualität anbieten.“

Ein Laden fast komplett ohne Verpackungen. Helen Neuwirths Vorstellungen schienen enorm; sie hat sie umsetzen können. Es ist möglich unsere Müllproduktion auf ein Minimum zu reduzieren. Dass dies wichtig ist, mag vielleicht noch nicht bei Jedem angekommen sein, doch zur Eröffnung am letzten Samstag war der Laden prall gefüllt mit Unterstützern und einem potentiellen neuen Kundenkreis der „Butterblume“. Das Interesse an dem Unverpacktladen ist groß; er beweist, dass ein Verzicht auf Plastik nicht gleichbedeutend mit einem Verzicht auf Lebensqualität ist.

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