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„Unsere Villa“ am frühen Montag Morgen geräumt

Dokumentation Pressemeldung der Besetzer/innen sowie der Uni Kassel:
Das vor kurzem in Kassel gegründete Projekt „Unsere Villa“ wurde am frühen Montagmorgen um 5 Uhr von der Polizei gewaltsam geräumt.

DOKU PRESSEMEDUNG BESETZER/INNEN
Aktivist*innen hatten die Villa Rühl in der Mönchebergstraße 42 am
Samstag, 3. Juni, besetzt, um ein neues soziales Zentrum für Kassel
aufzubauen. Die Universität Kassel war nicht zu Verhandlungen über eine
Nutzung bereit und erstattete stattdessen Strafanzeige gegen die
Besetzer*innen.

Die Villa Rühl stand seit über einem Jahrzehnt leer. Die Besetzer*innen
machten in den vergangenen 16 Tagen aus dem ungenutzten Ort kurzerhand
ein soziales Zentrum: Noch am Abend der Besetzung gab es eine Küche für
alle, die Nachbar*innen wurden eingeladen, es trat eine Band und einige
DJs auf. Jeden Tag fanden mehrere Plena statt, an denen alle
interessierten Menschen teilnehmen konnten. Es gründeten sich
Arbeitsgruppen, die sich zum Beispiel um Baumaßnahmen,
Programmgestaltung oder Finanzen kümmerten. Täglich kamen Anfragen von
Künstler*innen, Referent*innen oder Privatmenschen, die Unsere Villa mit
Leben füllen wollten.

Die alte Villa aus dem 19. Jahrhundert wird von der Universität Kassel
verwaltet und gehört dem Land Hessen. Zu Verhandlungen mit den
Besetzer*innen war die Hochschule nicht bereit und erstattete
Strafanzeige. Sie sei nach eigenen Angaben der falsche Adressat für das
Anliegen der Besetzer*innen. Diese wollten einen unabhängigen und
nicht-kommerziellen Ort der Zusammenkunft schaffen für Kultur, Kunst und
Politik.

„Hier konnten sich alle Menschen gleichermaßen einbringen und
mitgestalten, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Alter oder
Einkommen. Jedenfalls solange sie respektvoll miteinander umgingen“,
erinnert sich Daniela Schulz, eine der Aktivist*innen. Solche Orte
fehlten in Kassel. „Warum dann nicht solche Gebäude nutzen, bevor sie
verfallen? Ich kann nicht verstehen, warum die Uni Kassel ihre
Verantwortung nicht sehen will. Die Universität baut und baut und fühlt
sich nicht verantwortlich für den öffentlichen Raum, den sie damit
prägt. Sie betreibt eine Kunsthochschule und fühlt sich nicht
verantwortlich für Kultur in der Stadt. Da stimmt doch was nicht!“

Auch nach der gewaltsamen Räumung ist für die Besetzer*innen von “Unsere
Villa” klar, dass sie sich weiter für ein soziales Zentrum in Kassel
einsetzen werden.


DOKU PRESSEMEDUNG UNIVERSITÄT KASSEL
Villa Rühl geräumt

Die Villa Rühl ist heute Morgen von Einsatzkräften der Polizei geräumt worden. Damit hat die Polizei den Hausfriedensbruch beendet und weitere Sachbeschädigung verhindert. Das baufällige Areal, das der Universität 2013 vom Land Hessen übertragen worden war und auf dem derzeit eine Bodensanierung läuft, war seit dem Pfingstwochenende besetzt. Die Universitäts-Leitung sah keinen Spielraum mehr dafür, dass sich die Situation durch einen friedlichen und freiwilligen Abzug der Besetzerinnen und Besetzer auflösen würde. Universität-Präsident Prof. Dr. Reiner Finkeldey: „In den Gesprächen mit den Besetzerinnen und Besetzern wurde schnell deutlich, dass es ihnen nicht um Belange der Universität geht, die wir im Dialog klären könnten, sondern dass ideologische Forderungen von außerhalb in die Universität hineingetragen werden. Unsere Hochschule wird da als Bühne missbraucht. Das lassen wir nicht zu.“

In den Gesprächen hatte die Universität Möglichkeiten besprochen, den illegalen Zustand friedlich zu beenden. Außerdem hatte die Hochschulleitung Kontakt zu einem Vertreter der Stadtgesellschaft hergestellt, der sich als Ansprechpartner für die Forderung der Besetzer nach günstigeren Mieten und kulturellen Zentren in der Stadt bereit erklärt hatte. Zugleich forderte die Universität die Besetzer mehrmals auf, die Aktion friedlich zu beenden. Da diese dazu nicht bereit waren, stellte die Universität bereits vor einigen Tagen in Abstimmung mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) Strafantrag.

Finkeldey stellte klar: „Die Universität ist die falsche Adresse für Forderungen nach niedrigeren Mieten und nach einem allgemeinen Stadtteil-Zentrum. Im Rahmen ihres Bildungsauftrags stellt sie ihren Studierenden großen Raum für kulturelle und soziale Initiativen zur Verfügung. Wir haben in dieser Hinsicht keine Defizite, im Gegenteil. So baut die Universität mit 4,5 Mio. Euro ein Studierendenhaus, in wenigen Wochen gehen die Bauarbeiten los. Hier finden die Studierenden viel Platz für eigene Initiativen. Dieses Projekt wird schon jetzt bundesweit beachtet und anerkannt.“ Auch durch die Beteiligung an der documenta 14 und mit vielen Aktivitäten ihrer Lehrenden setzt sich die Hochschule für Kultur und für den kritischen Diskurs im durch Grundgesetz und Recht gesetzten Rahmen ein.








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