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„Gemeinschaftsgärten bieten Brückenfunktion“

Am Samstag, den 10. September, feierte der ForstFeldGarten mit einem ausgiebigen Gartenfest, Livemusik und Puppentheater sein fünfjähriges Bestehen.

Zahlreiche Hobbygärtner, Unterstützter, Interessierte und Nachbarn versammelten sich zu dem feierlichen Anlass am 10. September im ForstFeld Gemeinschaftsgarten, um dessen fünfjähriges Jubiläum zu feiern. Mit einer großen Vielfalt an Speisen und kühlen Getränken sowie Livemusik und Puppentheater sorgten die Gründer des Gartens und seine Nutzer für das Wohlfühlen und die Unterhaltung der Gäste. Auch das Wetter lud herzlich dazu ein, durch den Garten zu spazieren und mit einem kühlen Getränk die freudige Atmosphäre im Grünen zu genießen. Dabei waren die 7000 Quadratmeter, die heute den Gemeinschaftsgarten ausmachen, im Jahr 2011 noch eine große Brache mit Baumbestand und die Idee, diese für das gemeinsame Gärtnern zu verwenden, noch weit entfernt. „Was Sie verkaufen, ist etwas, das gar keiner will“, hörte Professor i.R. Michael Wilkens im Jahr 2010 bei der Veranstaltung „Kassel braucht mehr gemeinschaftliche Gärten“, an der auch die Baugesellschaften der Region teilnahmen. Die Balkone und Terrassen seien ausreichend, um das Bedürfnis nach Freiraum zu erfüllen, so die vorherrschende Meinung. Bernd Walter von der GWG sah es anders und hatte bereits im Sommer 2011 ein schönes Grundstück parat, das er der Mach-was-Stiftung anbot.

Mit der Natur im Einklang
Im November 2011 beseitigte schließlich ein Bagger die alten Fundamentenreste, die sich unter dem Grundstück erstreckten. Heiner Range, ein Landwirt aus Harleshausen, half den Gründern, piano e.V., Mach-was-Stiftung und Essbare Stadt e.V., anschließend die Fläche urbar zu machen. Es entstanden ein Kinder-Lerngarten, Beete zum Anbau von Gemüse sowie ein Permakulturpark mit Obstbäumen und Beerensträuchern. Im März 2012 fand das erste Treffen der Interessierten statt. Nach eigenem Ermessen wählten sich die Hobbygärtner ihre Parzellen und machten diese kenntlich. So gab es im Juli 2012 bereits die ersten Ernten. Der Baumkünstler Christof Kalden gestaltete den offenen Torbogen zum Stadtteiltreff und die documenta spendete mit finanzieller Unterstützung der GWG und der Vereinigten Wohnstätten 1889 eG dem ForstFeldGarten eine Holzhütte, welche im Rahmen der Kunstausstellung als Präsentationsraum gedient hatte. So entstand ein geräumiger Park, der zu gemeinsamen Mittagessen oder dem Verweilen am Lagerfeuer sowie jährlich stattfindenden sommerlichen Feierlichkeiten einlädt. 32 Frauen bewirtschaften zurzeit das Gelände, die meisten sind türkischer Abstammung. „Ich teile mir eine Parzelle mit meiner Mama“, sagt Asiye Bencik. Die Mutter von drei Kindern baut Tomaten, Peperoni, Mais, Kräuter und Salat an. Den Garten sieht sie darüber hinaus als eine wesentliche Ergänzung zur Erziehung: „Die Kinder wachsen im Einklang mit der Natur auf. Am Anfang fanden sie es langweilig, jetzt können sie es kaum erwarten, in den Garten zu kommen und an der frischen Luft zu spielen. Sie helfen auch mit und genießen es, wenn wir am Feuer sitzen.“

„Jeder kann sich einbringen“
Michael Wilkens (rechts im Bild) begrüßt die Gäste. Neben ihm Shimeles Tassew von den Internationalen Gemeinschaftsgärten Göttingen, hinten links Karsten Winnemuth, Essbare Stadt e.V..
Das Vorbild für den ForstFeldGarten bildeten die Gemeinschaftsgärten in Göttingen. Vor 20 Jahren entstand in Göttingen der erste internationale Garten. Heute gibt es bereits 400 solcher Gemeinschaftsprojekte deutschlandweit. „Die Gärten bieten die Möglichkeit der Begegnung, zwingen diese jedoch nicht auf. Das gemeinsame Arbeiten verbindet die Menschen“, berichtet Shimeles Tassew von den Gemeinschaftsgärten Göttingen. „Es gibt immer mehr Isolationsprozesse, wie zum Beispiel das Internet. Wir brauchen also mehr Prozesse, welche die Menschen zusammenbringen, sonst zerfällt die Gemeinschaft.“ Die fünf Gemeinschaftsgärten in Göttingen sind interkulturell. So können Menschen unterschiedlichster Herkunft gemeinsam die Sprache erlernen, sich in die Gesellschaft eingliedern und Pflanzen aus verschiedenen Kulturkreisen kennenlernen. Die Menschen bestimmen selbst, wie sie ihren Garten gestalten. Deswegen weisen alle Projekte eine unterschiedliche Dynamik auf. „Die Gärten bieten auf diese Weise eine Brückenfunktion“, so Schimeles Tassew. „Ein wichtiger Aspekt ist darüber hinaus das Engagement. Jeder kann sich einbringen und über die Tätigkeit auf den eigenen Parzellen hinaus der Gemeinschaft etwas zu Gute tun.“

Fläche hat noch großes Potential“
Auch die Mitglieder des FortFeldGartens sind gut vernetzt. Sie genießen das Zusammensein bei einem Mittagessen aus den erwirtschafteten Zutaten oder gemütliche Abende am Lagerfeuer. Die Kinder spielen gemeinsam, die Eltern helfen sich auf den Parzellen. „Wir kennen uns alle gut, passen auf die Flächen der anderen auf, falls jemand im Urlaub ist oder Termine hat, und tauschen unsere Erfahrungen aus“, sagt Asiye Bencik. Der Garten bietet für sie viele Vorteile – gesundes Gemüse aus biologischem Anbau sowie Zeit in der Natur mit Kindern, Familie und Freunden. Die junge Frau sieht natürlich auch einen kleinen Haken: „Der Garten ist eine Verpflichtung. Man muss sich darum kümmern, regelmäßig hier sein und die Parzellen bewirtschaften. Auch wenn es heiß ist, man müde ist und keine Lust hat.“ Doch die Arbeit lohnt sich und der ForstFeldGarten gedeiht weiterhin. „Die Fläche hat noch großes Potential“, sagt Michael Wilkens. „Hier kann noch viel passieren. Zum Beispiel könnten sich Schulen und Kindergärten beteiligen.“ Freie Flächen für Nutzer gibt es auch noch. Wer mitmachen möchte, kann sie bei den Stadtteiltreffen von piano e.V. melden und selbst Hobbygärtner werden.

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Kommentare

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karsten winnemuth am :

danke für den artikel. kleine korrektur: es fehlt eine 0, es sind 7000 nicht 700 qm. schöne grüße, karsten

Gertrud Salm am :

Feiner Artikel, herzlichen Dank.

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