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Ideenwerkstatt zum Lucius-Burckhardt-Platz

Pressemitteilung zur Ideenwerkstatt am Lucius-Burckhardt-Platz

Am Donnerstag, 28.04.2016, fand von 15.30 bis 21.00 Uhr die Ideenwerkstatt zum Lucius-Burckhardt-Platz statt. In diesem Rahmen trafen erstmals Nutzer*innen des Platzes, Mitglieder des AStA, Mitarbeiter*innen des Café Desasta, der Leiter der Bauabteilung der Universität Kassel und ein Vertreter des Planungsbüros K1 zusammen. Die Werkstatt bot die Möglichkeit zum Austausch über die alten und andauernden Qualitäten des Platzes. Außerdem wurden Ideen und Wünsche für die Neugestaltung gesammelt und die bereits bestehenden Gestaltungspläne von K1 diskutiert.

Gemeinsamer Spaziergang
Zu Beginn spazierten die Teilnehmer*innen gemeinsam über den Platz, erinnerten sich an die ehemalige Gestaltung mit Bäumen, Hecken und Bänken und tauschten Wissen und Geschichten aus. Dabei betonten Teilnehmer*innen die besondere Bedeutung des Lucius-Burckhardt-Platzes als Quartiersplatz und als Ort, der seit 30 Jahren gemeinschaftlich und kollektiv von Nutzer*innen und Anliegern (Fahrradwerkstatt & Café Desasta) mit viel Engagement selbstorganisiert genutzt und entwickelt wird. Dieser Aspekt wurde im weiteren Verlauf der Ideenwerkstatt immer wieder aufgegriffen.
Die Gesamtplanung steht fest!
Den Auftakt der Werkstatt bildete dann die Stellungnahme des Bauabteilungsleiters der Universität Kassel, Klaus Sausmikat, inwiefern die Ergebnisse der Ideenwerkstatt bei der Planung und baulichen Bearbeitung des Lucius-Burckhardt Platzes berücksichtigt werden könnten. Er machte deutlich, dass der Rahmen für die Gesamtplanung feststehe, das Material bestellt und die Baufirmen beauftragt seien. An dem Gestaltungskonzept und dem Vorgehen werde festgehalten. Kleinere Anpassungen im Bereich vor dem Café Desasta wären aber noch möglich. An dieser Stelle entstand durch Nachfragen aus dem Publikum eine Diskussion über den Verlauf des Planungsprozesses, in der seitens der Bauabteilung betont wurde, dass die Pläne in den notwendigen universitären Gremien abgestimmt wurden und es schließlich nicht Aufgabe der Universität sei, einen Stadtplatz zu gestalten, weshalb eine direkte Beteiligung der Nutzer*innen vor Ort nicht für notwendig erachtet wurde. Manuela Richter, eine Frau aus der Nachbarschaft dazu: „Ich bin enttäuscht zu hören, dass Partizipation nie Thema für die Hochschule und das Planungsbüro war und jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen und es werden nur noch minimale Nachbesserungen in Aussicht gestellt.“ Daraufhin erfolgte der ergänzende Einwand eines Teilnehmers, dass solche Planungsprozesse weder im Sinne des Namensgebers des Platzes seien, noch der Tradition der Universität als Reformhochschule entsprächen. „Gerade heute, wo die Ideen und Theorie Burckhardts internationales Aufsehen erregen, auf der Architekturbiennale 2014 in Venedig präsentiert und sogar auf der nächsten documenta in Kassel thematisiert werden, ist es unverständlich, dass die Hochschule den sozialstrukturell dichten, lebendigen und funktionierenden Lucius-Burckhardt-Platz in einem tabula-rasa-Verfahren dem Erdboden gleichmacht, anstatt ihn als Aushängeschild und Denkmal Kassler Kultur und Planungstradition zu nutzen.“ Es wurde der Vorschlag unterbreitet, dass die Universität sich der eigenen Geschichte und Verantwortung bewusst werden, ihr Vorgehen im Planungsprozess reflektieren und die aktuellen Resultate einer Revision unterziehen sollte.

„eine autoritäre Neugestaltung von oben“
Anhand von Modellen, die die Initiative zur Verfügung gestellt hatte, wurde im weiteren Verlauf noch einmal der ehemalige Platz mit seinen Gestaltungselementen und Zonierungen vorgestellt. Im Anschluss stellte Axel Klapka vom Berliner Planungsbüro k1 den Entwurf für die Neugestaltung des Platzes vor. Im Verlauf seiner Präsentation und der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass bestehende Strukturen des Platzes ganz bewusst nicht in die Entwürfe miteinbezogen wurden. Obwohl es möglich gewesen wäre, alte Elemente und Zonierungen wie einzelne Bäume und Hecken zu erhalten und zu integrieren, entschied sich das Büro dafür, den Platz komplett neu zu gestalten, damit eine Einheitlichkeit mit der restlichen Freiflächengestaltung auf dem neuen Campus entstehe. Dieses Vorgehen beruht auf der Idee, dass sich die besonderen sozialen Qualitäten des Lucius-Burckhardt-Platzes einfach von allein auf dem neugestalteten Platz wiederherstellen ließen. „Was ihr gemacht habt, ist eine autoritäre Neugestaltung von oben, an die ich mich dann anpassen muss. Der Platz hat aber immer andersherum funktioniert. Er hat dafür Raum gelassen und davon gelebt, wie die Nutzer ihn gemeinsam gestaltet haben! Was dabei raus kam, war eine lebendige Symbiose“, so der Einwurf eines Teilnehmers. Die Idee, die Planer*innen wüssten schon, was die Nutzer*innen brauchen, muss ohne Beteiligungsprozesse als reine Vermutung gelten.

Anerkennung von Komplexität und Andenken an Lucius Burckhardt
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde dann gemeinsam eine Gegenüberstellung beider Modelle (Alt und Neu) vorgenommen, Vor- und Nachteile diskutiert und Wünsche für die Neugestaltung gesammelt. Bei der Gegenüberstellung wurde deutlich, dass die Vorteile des Platzes vor allem in dem Zusammenspiel verschiedener Zonierungen mit unterschiedlichen Funktionen lagen. Die Qualität lässt sich also nicht an einzelnen großen Elementen aufzeigen, sondern findet sich in einem dichten Netz unterschiedlicher gewachsener Strukturen von Nutzungen und Gestaltungselementen. Dieses filigrane Geflecht lässt sich nicht so einfach von der Neuplanung adaptieren. Es entsteht informell, ist prozesshaft und ein Mikrokosmos. Die gesammelten Ideen aus der Werkstatt gehen weit über das Verrücken oder Ergänzen einzelner Bäume hinaus. Hier bleibt es spannend, in wie weit die Universität bereit ist, diese Komplexität und das Andenken an einen ihrer berühmtesten Hochschullehrer anzuerkennen.

Für die Initiative wurde nochmals deutlich: Eine substanzielle Einbindung der Nutzer*innen in die Gesamtplanung sowie eine wachsende, prozesshafte Gestaltung würde der Tradition des Platzes Rechnung tragen und eine gute Grundlage für den Fortbestand dieses besonderen Quartiersplatzes schaffen, der seinen Namen dann auch weiterhin zu Recht tragen würde.

Initiative „Lucius-Burckhardt-Platz bleibt!“

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