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Nää, ich sage da nix, wie komme ich denn dazu?

Neulich vor der Bäckerei: Ich komme aus dem Laden und sehe einen Hund, der seinen Haufen gerade mitten auf den Gehweg setzt. Der Besitzer des Hundes ist noch im Laden. Zwei ältere Damen haben den Hund beobachtet und erregen sich kräftig über den unerzogenen Köter. Eine Sauerei sei das, und dass der überhaupt so frei rumläuft, womöglich fällt der einen noch an... (NB: Es war ein mittelgroßes, zutrauliches Mischlingsweibchen, vielleicht aus Spanien oder Rumänien, komplett harmlos - aber scheißt halt mitten auf den Gehweg!).
Die Damen zunehmend empört. Ich mische mich ein: "Der Hund gehört dem Herren, der gleich aus der Bäckerei kommt, sagen Sie ihm, was sein Hund angestellt hat, damit er den Haufen beseitigen kann."
Gesteigerte Empörung! "Ich? - dem was sagen? Niemals, ich sage da gar nichts, ich halte mich da raus. Und überhaupt, dass der da frei rumläuft. Ich traue mich kaum dran vorbei zu gehen." Ich weise darauf hin, dass die Angst unnötig ist, und im Übrigen nichts mit dem Sündenfall des Hundes zu tun hat. Es sei doch für alle die beste Lösung, dem Manne Bescheid zu sagen.

"Wie komme ich denn dazu, dem was zu sagen?!"

Ich: "Na ja, Sie haben sich ja zu Recht über den Hundehaufen aufgeregt, und dann weisen Sie den Mann doch darauf hin, dass er ihn beseitigt. Dann ist das Problem gelöst."

"Nää, kein Wort sage ich dem."

Der Mann, so um die 60, kommt aus dem Laden. Ich rufe ihm zu:"Junger Mann, ihr Hund hat da einen Haufen auf den Gehweg gesetzt!" Der Mann stutzt, ginst, bedankt sich schlagfertig für den "jungen Mann", zieht eine Tüte aus der Tasche, sammelt den Hundekot auf und geht davon.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, den immer noch empörten Damen zu sagen, dass man mit Freundlichkeit und einem offenen Wort mehr erreicht, als wenn man sich nachher beim Kaffeekränzchen die Mäuler über die Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen und die Hundehaufen im Besonderen zerreißt. Eingesehen haben sie es wohl nicht.

Es war ein Lehrbeispiel nordhessischer Empörungsbereitschaft, demonstriert von zwei übellaunigen alten Frauen, die sich über alles und jedes echauffieren, aber im entscheidenden Moment zu feige sind, den Mund auf zu machen. Schade um die vergeudete Lebenszeit...

In dem Zusammenhang fällt mir eine andere Beobachtung ein: Gefühlte 90 Prozent der Menschen, die einem entgegen kommen, schauen auf den Boden und setzen eine beschäftigte Miene auf. Augenkontakt - nur nicht! Allenfalls wird im Vorübergehen aus dem Augenwinkel geguckt, ob der andere einen angeguckt hat. So was von verklemmt! Wenn man dann ein freundliches Guten Morgen erklingen lässt, ist der andere meist sichtbar irritiert und verunsichert, machmal freut er sich aber auch und grüßt freundlich zurück. Das ist dann schön.

Etwas mehr unbefangene Freundlichkeit täte uns allen gut.

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