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„Ein großer Gewinn“

Viele interessierte Besucherinnen und Besucher wohnten der Informationsveranstaltung bei.
„Flüchtlinge im Vorderen Westen – Wohnraum teilen im Quartier“ war der Titel einer Informationsveranstaltung im Stadtteilzentrum in der Elfbuchenstraße. „Vermieten an Flüchtlinge ist mehr als nur Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, so ein Resümee dieses Abends.

„Das hier ist keine Makler- oder Werbeveranstaltung“, stellte gleich zu Beginn der Moderator Frank Fornaçon mit einem Augenzwinkern klar. Denn der große Saal des Stadtteilzentrums war am Dienstag, dem 20. Oktober, für die vielen interessierten Quartiersbewohnerinnen und Bewohner und viele Interessierte aus anderen Stadtteilen immer noch zu klein. Die Menschen standen in den Fluren, um den Vorträgen der Referenten lauschen zu können. Die fünf Vortragenden haben bereits als Vermieter oder sogar Mitbewohner Erfahrungen mit dem Teilen ihres Wohnraumes gemacht und berichteten von ihren Erlebnissen. „Wir haben ein Zimmer mit Bad- und Küchen-Mitbenutzung vermietet“, berichtet Herman Heußner. „Es war nicht nur für uns, sondern auch für unseren neuen Mitbewohner ein Sprung ins kalte Wasser.“ Heute lebt der junge Mann aus Äthiopien seit beinahe zwei Jahren bei der Familie und wird als ein Familienmitglied wahrgenommen. „Es ist eine win-win Situation“, berichtet Andrea Heußner und liest einen Leserbrief aus der HNA vor, in dem ein Mann von den gleichen Erfahrungen erzählt. Auch Inge Bierbrauer, eine Psychologin, die in ihrem Leben mit vielen Kulturen in Kontakt kam, weiß: „Das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturen ist ein großer Gewinn.“ Die negativen Erfahrungen der Vermieter beschränken sich auf Kleinigkeiten. „Unsere Mieterin Samira hat Kleidung auf dem Laminatboden getrocknet“, berichtet Tina Schäfer. „Aber das kann allen jungen Menschen passieren, die gerade aus dem Elternhaus ausziehen.“

Die Wohnfrage – eine große Herausforderung
Regina Nadja Halmuschi
Doch trotz der positiven Erfahrungen gestaltet sich die alltägliche Suche nach dem Wohnraum für Flüchtlinge schwierig. Regina Nadja Halmuschi, die als Übersetzerin Flüchtlinge auf ihrem Weg zum eigenen Zuhause begleitet, schildert in ihrem Vortrag die großen Schwierigkeiten, mit denen die Menschen aus ihrem Heimatland konfrontiert sind. „Viele wollen nicht an Flüchtlinge vermieten. Dabei sind die Syrier stolze, fleißige, arbeitsame und friedliche Menschen, die in ihrem Land und auf dem langen Weg schlimme Sachen erlebt haben.“ Auch Jutta Bohnen, Mitarbeiterin des Caritas-Verbandes, betont, dass die Wohnraumfrage eine sehr große Herausforderung ist, wobei die Unterbringung der Menschen in Kassel zur Zeit sehr gut funktioniere. „Die Stadt Kassel ist bemüht, Flüchtlinge würdevoll unterzubringen. Dafür stehen uns fünf Großunterkünfte mit 37 bis 400 Plätzen und dreizehn Kleinunterkünfte mit zehn bis 30 Plätzen zu Verfügung“, so Bohnen. Der Umzug in eine eigene Wohnung gestaltet sich schwieriger. Das Sozialamt oder der Jobcenter müssen dem Mietvertrag zustimmen und der Antrag auf Ersteinrichtung muss zunächst gestellt, bearbeitet und genehmigt werden. Es dauert daher eine gewisse Zeit bis Flüchtlinge eine Wohnung beziehen können. Trotz der aktuellen Wohnraumnot bei den Flüchtlingen „ermahnt“ die Caritas-Mitarbeiterin jedoch die Anwesenden: „Hinterfragen Sie Ihr Vorhaben. Fragen Sie sich, was Sie realistisch leisten können und wollen.“ Denn Vermieten an Flüchtlinge ist häufig mehr als nur Wohnraum zur Verfügung stellen.

„Ein Ansporn weiter zu machen“
Es ist auch Engagement, welches sich nach den Erfahrungen der Referenten durchaus lohnt. Jutta Bohnen beantwortet anschließend die Fragen der
Am Ende gab es Lob von den Teilnehmenden
Anwesenden, die auf bunten Zetteln zum Podium gereicht wurden. Außerdem schrieben die Menschen Ideen, Anmerkungen und auch Danksagungen für die Veranstaltung auf. „Ich bin sehr gerührt von dem großen Interesse. Für mich und meine Kollegen ist es ein Ansporn weiter zu machen“, sagt Bohnen und Frank Fornaçon beendete den Abend mit den Worten: „Wir leben in einer Welt, die nicht mehr durch Zäune getrennt ist. Wer in aller Welt Urlaub machen möchte, muss auch damit rechnen, dass er aus aller Welt Besuch bekommen kann.“

Wer Interesse hat, Wohnraum zu teilen, melde Sie sich bei:
Stadtverwaltung Kassel
Sozialamt, Sachgebiet „Migration“
Marco Henkel
marco.henkel(at)kassel.de

Kontakt zum Arbeitskreis Gesundheit und Soziales im Vorderen Westen von Kassel-West e.V.:
Bärbel Praßer/ Frank Fornaçon
kontak(at)vorderer-westen.net

Fotos: Stadtbüro Friedrich-Ebert-Straße

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