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Heute Nacht und die nächsten: Saisonales Missvergnügen

Rechtzeitig zum Anlass informiert uns die Forschung, dass die Zeitumstellung die „Lebenszufriedenheit senkt“. Es heißt, „dass Menschen mit stärkeren Zeitrestriktionen besonders von der Zeitumstellung betroffen sind.“ Es ist gut, dass solche schlichten Voraussehbarkeiten wenigstens jetzt einmal in „Langzeitstudien“ (mit oder ohne Zeitumstellung?) statistisch gut untermauert worden sind.
Studienauswerter Daniel Kühnle von der Uni Erlangen-Nürnberg kann über den Nutzen der Zeitumstellung selbst - die uns nun wieder angreift - nichts sagen; dazu bräuchte man eine „volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung“, die er natürlich genauso wenig erbringen kann wie jemand anderer/s. Das heißt also?
Bevor man sich über solche Forschungen bzw. ihre Ergebnis-Kurzformeln ablacht, sollte man doch kurz innehalten. Das Volk, das sich politisch saisonal mit vierjährlichen Wahlen zufrieden gibt und im übrigen weltmeisterlich konsumiert, amüsiert oder ärgert sich recht gerne über seine allfälligen Schlaumeier namens Experten, bzw. genauer ihr „sinnevidenzfernes Tun“. (Diese schöne Vokabel stammt von dem fast neunzigjährigen Philosophen Hermann Lübbe.) Da muss man diese kuriose Spezies dann in Schutz nehmen. Zur sinnevidenzfernen Zeit Platons beispielsweise konnte man nicht wissen, welches Gemache man noch nach zweieinhalbtausend Jahren mit ihm haben würde; von Erfindungen wie den arabischen Zahlen oder der „kopernikani’schen“ bzw. „kohl’schen Wende“ ganz zu schweigen.
Zurück zum Volk: Dieses scheint sich regelmäßig in seinem Kokon aufgestört zu fühlen. (Der neue Trend, cocooning: die Sucht nach dem Gefühl der Geborgenheit, heute sehr gerne von der CDU symbolisiert.) Man hört es also aus der Watte heraus unter Schmerzen schreien: „Man hat mir eine Stunde gestohlen!!!“ (Wobei dieses „Man“ natürlich berechtigt ist: Wer hat wen in wessen Namen dazu autorisiert, solche Umschaltungen anzuordnen?) „Meine biologische Uhr gerät durcheinander!!!“ Usw. Da ist es doch tröstlich, dass „man“ uns betreffs „Lebenszufriedenheit“ bzw. Unzufriedenheit überhaupt wenigstens beobachtet und misst, wenn schon nicht beachtet und vermisst. (Übrigens: „Die Befragten bewerten hier auf einer Skala von 0 bis 10, wie zufrieden sie derzeit ‚alles in allem’ mit ihrem Leben sind.“) Den Rest der Katastrophe reguliert, alles in allem, der Homöostat in uns. Vielleicht geht es uns am Mittwoch schon wieder gut?
Wer mag, lese die vom Informationsdienst Wissenschaft weitergebene Nachricht:

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Kommentare

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eWolf am :

Gut, dass mal daüber gesprochen wird!

Dabei muss man auch die ganz banalen Probleme dieses Zeitsprungs im Auge haben. Zum Beispiel die Tatsache, dass mein NVV-Multiticket für das Wochenende - eine ansonsten großartige Idee - an diesem aber eine um eine Stunde verkürzte Gültigkeitsdauer aufweist!
Der Busfahrer der Linie 100, dem ich mich und meinen Hund am Sonntag am Wilhelmshöher Bahnhof anvertraut habe, bestätigte meinen Vorwurf, der NVV habe mich um eine Stunde beschissen. Nach kurzem Nachdenken hatte er aber auch Trost parat: "Beim Umstellen im Herbst kriegen Sie die Stunde ja wieder." Jetzt habe ich mir einen Vermerk am 25.10. in den Kalender geschrieben: Zeitumstellung, Multiticket kaufen. Dann habe ich die Stunde wieder. Aber wo fahre ich damit hin?

Es bleibt schwierig, selbst ohne stärkere Zeitrestriktionen!

MR am :

Ja ich war auch der Meinung, dass das unbedingt mal gesagt werden musste!
Die vielfältigen Folgen macht man sich ja - abgesehen von den üblichen seelischen Zerrüttungen, für die es ja Hilfsangebote gibt - nicht klar. Eine Stunde von einer halbamtlichen Institution einfach gestohlen, mit einer pastoralen Vertröstung auf 7 Monate später!! (Danke für den Termin, ich habe ihn mir notiert, damit ich vorbereitet bin.) Als Fahrtziel für diese Nacht kann ich mich anbieten. Man soll doch an der Solidarität der Verlustpopulation immer gut mitarbeiten, nicht wahr? Wie wäre es mit einem Espresso, um den Sonnenaufgang intensiver wahrnehmen zu können und den Verlust an Lebensfreude wenigstens zu kompesnieren?

eWolf am :

Da sieht man die verheerenden Wirkungen: Ein Mensch, den ich in die Kategorie langschlafende Geistesarbeiter einsortieren würde, schreibt früh um 7:50 h - also eigentlich um 6:50 h!! - schon Kommentare. Erschütternd!

MR am :

Ich habe auf diesen Zeitungs-Seiten mehrfach versucht zu demonstrieren, dass die "langschlafenden Geistesarbeiter" möglicherweise (ausbildungsbedingt) einen höheren Anteil an "Geistesgegenwart" bereithalten...

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